Willkommen am Rhein - Der erste Tag des buildingSMART International Standards Summit im Überblick

Wie steht es um die Digitalisierung der Bauindustrie? Diese Frage beantworteten am ersten Tag des buildingSMART International Standards Summit die Referenten von vier Keynote-Vorträgen sowie die Panels von zwei Podiumsdiskussionen. 
Wer der Digitalisierung in der Baubranche offen begegnet braucht Mut, Begeisterung und Weitsicht. Mit diesen Worten leitete Ina Scharrenbach,  Ministerin für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, am Montag ihre Rede auf dem Welcome Dinner des buildingSMART International Standards Summit in der Düsseldorfer Rheinterasse ein. Mehr als 1000 Teilnehmer aus aller Welt diskutieren im Rahmen des buildingSMART International Standards Summit bis Donnerstag in sieben thematischen "Rooms" und über 50 Arbeitsgruppentreffen vor welche Herausforderungen die Digitalisierung Architekten, Bauingenieure und -planer Tag für Tag stellt und welches Potenzial digitale Planungs- und Baumethoden der Branche bieten.

Erfolgsrezept: Offener Austausch
Am ersten Tag des Summits ging es in vier Keynote-Vorträgen sowie zwei Podiumsdiskussionen darum, wie die Branche durch die Digitalisierung ihre Produktivität steigern kann und welche Rahmenbedingungen sie dazu braucht. „Der Produktivitätsrückstand der Bauindustrie gegenüber anderen Branchen ist dramatisch“, erklärte Richard Petry, CEO von buildingSMART International in seiner Ansprache zur Eröffnung der Konferenz. Wie schnell die Branche diesen Rückstand aufholen kann, hängt dem Briten zufolge davon ab, wie offen sich alle am Bau Beteiligten darüber austauschen, welche Erfahrungen sie in der Praxis mit der digitalen Planung und Ausführung von Gebäuden gemacht haben.
In seiner Antwort auf Petrys Rede stellte Professor Rasso Steinmann, Vorsiztender der Geschäftsführung von buildingSMART Deutschland, heraus, wie intensiv die 12 Regional- und 24 Arbeitsgruppen des deutschen buildingSMART-Chapters diesen Austausch pflegen.

Fachkräftemangel und Vergaberecht bremsen Digitalisierung in der Baubranche
Carsten Lotz, Partner und Experte für Investitionen in neue Technologien bei der Beratungsgesellschaft McKinsey zeigte in seinem Keynote-Vortrag, weshalb es sich für Bauunternehmen lohnt, ihre Arbeitsabläufe zu digitalisieren. „Allerdings“, so Lotz, „scheitern die erforderlichen Investitionen in kleinen und mittelständischen Unternehmen oft daran, dass die finanziellen Mittel fehlen, um in der Frühphase von Projekten in Technologien zu investieren, die sich erst nach langer Zeit auszahlen.“
In der anschließenden sehr lebhaften Fragerunde ging es auch darum, dass Investitionen am öffentlichen Vergaberecht in der EU sowie daran scheitern, dass den Firmen die Fachkräfte fehlen, die sie bräuchten, um die Digitalisierung voranzutreiben.

Architekten, Planer und Bauingenieure brauchen eine gemeinsame Sprache
In der ersten Podiumsdiskussion des Tages beschäftigten sich Professor Christian Glock, von der Universität Kaiserslautern, Martin Müller, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer (BAK) sowie René Hagemann-Miksits, Leiter des Geschäftsbereichs Technik und Technikpolitik beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie unter der Moderation von Rasso Steinmann mit den Anforderungen die Bauherrn an die digitale Planung stellen. Nach lebhaftem Austausch stand für die Runde fest: Wollen sie die Wünsche ihrer Kunden Realität werden lassen, müssen Architekten, Ingenieure und Planer offen und in einer von allen geteilten gemeinsamen Sprache mit einander kommunizieren.

Digitale Zwillinge liefern Mehrwert in allen Phasen des Gebäudelebenszyklus
In der zweiten und dritten Keynote Lecture arbeiteten Peter Löffler, Vice President Innovation and Industry Affairs bei Siemens Building Technologies und Mark Enzer, Chief Technical Officer der Unternehmensberatung Mott MacDonald heraus, wie die smarte Verknüpfung von Informationen Digitale Zwillinge zu einem Planungs-, Bau- und Verwaltungsinstrument macht, das in allen Phasen des Lebenszyklus eines Gebäudes echten Mehrwert bietet.
Mark Enzer stellte zudem den 2018 gestarteten Plan des britischen Bauministeriums vor, die gesamte Infrastruktur des Vereinigten Königreichs in einem „National Digital Twin“ abzubilden. „Unser Ziel ist ein Ökosystem von digitalen Zwillingen, in dem wir Informationen über unsere Infrastruktur so vorhalten, dass wir bessere Entscheidungen treffen können, um die wirtschaftliche und ökologische Leistung der Bauwerke zu steigern“, erklärte Enzer die ambitionierten Pläne der Briten.

Offene Standards aus Sicht der Softwareanbieter
Auch die zweite Podiumsdiskussion des Tages stand unter dem Stichwort „Offenheit“. Uwe Wassermann Director AEC, Business Development worldwide bei Autodesk, Viktor Várkonyi, Mitglied im Vorstand der Nemetschek Gruppe und Richard Fletcher, Managing Director bei Trimble beantworteten die Frage, wie Anbieter von BIM-Software die Notwendigkeit offener Standards sehen. Eine Keynote Lecture über die Zukunft des Cloud Computing von Andy Verone, Global Vice President Industry Strategy and Innovation bei Oracle, sowie ein Vortrag über die Arbeitsweise von buildingSMART International von Richard Kelly, Chief Operating Officer des internationalen Dachverbands rundeten die Themenpalette der Plenarsitzung ab.
Den Höhepunkt des Tages bildete jedoch die Rede von Ministerin Ina Scharrenbach im festlichen Ambiente der Rheinterrasse sowie die an das Dinner anschließende Verleihung der buildingSMART Fellow Awards.

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